Der Tag war „sonnig und frühlingshaft“ – so liest man es in alten Aufzeichnungen. Damals wie heute blühten und blühen Schneeglöckchen und Krokusse. Bienen summten und summen durch die Luft und sonstiges, kleines Getier tanzte und tanzt im Sonnenlicht. Die Vögel zwitscherten und zwitschern ihr Lied gegen Rivalen und für die beste Vogelfrau der Welt.
Es Kinder spielten endlich wieder draußen, lachten und stritten sich.
Manche lagen am Nachmittag im Gras und küssten sich.
So war es damals. So ist es heute.
Der Krieg war da – wie er in diesen Zeiten immer da war. Doch an diesem Tag war Frühling. Keine besonderen Vorkommnisse.
Vor 77 Jahren jedoch änderte sich das Leben der Menschen in der Stadt, in der ich lebe, an diesem Abend dramatisch. Eine Seniorin erzählte mir, wie das damals war.
„Wir hatten keine Tränen. Damals hat mich das nicht schockiert. Es schockiert mich heute!“, sagt sie, wenn sie an die glühende Stadt denkt, die sie von der Steinburg aus sah. Kurz nach der Zerstörung Würzurgs folgte die Bombardierung ihres Heimatortes Unterdürrbach am 31. März 1945. Jahre später hörte sie die Glocken von St. Johannis an einem windigen Herbsttag …
Für Würzburg ist das Leid mit dem 16. März 1945 verbunden. An diesem Tag erfolgte gegen 21.20 Uhr ein Luftangriff durch die Royal Air Force. 236 Flugzeuge warfen in drei Wellen über 1.000 Tonnen Bomben, darunter 300.000 Stabbrandbomben, in knapp 20 min über Würzburg ab. Nach neuesten Forschungen starben circa 3.500 Menschen. Die Würzburger Innenstadt wurde zu 90 Prozent zerstört – nur sieben Häuser überstanden die Nacht unversehrt – die äußeren Stadtgebiete zu 68 Prozent (Quelle, noch eine Quelle).
In dieser Nacht brach durch all die Bomben die Stadt auseinander und mit ihr alles, was darin lebte. Damals tönten keine Glocken mehr an diesem Tag.
Heute läuten alle Glocken sämtlicher Kirchen. Sie läuten genauso lange, wie der Angriff war.
Wer es hört, schaudert bei der Vorstellung, wie entsetzlich lang 20 Minuten sein können.

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