Das Leben „befeiern“ – das ist es, was wir machen, wenn wir uns sehen. Dann holt sie, die bald 90 Jahr alt wird, die schönen Sektkelche, die noch von ihrer Großmutter sind. Und es wird eingeschenkt. Gerne reichlich. Für das gute Gewissen steht eine Flasche Orangensaft bereit. Dazu ein paar Knabbereien.
„Wissen sie“, sagt sie dann, „ich bin nicht mehr die Jüngste. Ich muss doch das Leben feiern, so lange ich noch kann!“ Dabei strahlen ihre Augen und leuchten zwischen all den Lebensfältchen und Lachrunzeln.
Hin und wieder wird das Thema „der lästigen Wehwehchen“ kurz angeschnitten. Aber es scheint ihr die Zeit zu kostbar zu sein, als dass sie sie mit solchen „Nebensächlichkeiten“ füllen wollte.
Die Liebe ist hingegen ein Thema, das immer Platz in Erzählungen hat. Die Suche danach hört auch mit bald 90 nicht auf, sagt sie.

„Ich denke, man sollte danach suchen. Wo war denn überall Liebe in meinem Leben? Es geht doch nicht immer um Romantik und Händchenhalten!“, sagt sie. „Wenn ich jetzt eine Liste mache würde, hier die Liebe und hier alles andere: Ich glaube die Liste der Liebe wird länger. Wenn man versucht, zu anderen Menschen freundlich und nett zu sein, dann kriegt man auch Liebe zurück. Wenn ich mir all das Gute in meinem Leben anschaue, was ich alles bekommen habe – was mir zugeteilt worden ist, ohne mein Zutun. Wenn man das Herz und die Augen offen hält, findet man sie überall. Die kann man ja mal einsammeln, diese Liebe. Das ist so viel. Ich hab ja genügend Zeit dafür gehabt, mich umzukucken. Und jetzt ist es so wunderbar zu sehen, wie viel Liebe in meinem Leben war und immer noch ist. Mein Vater sagte immer: Liebhaben ist die Hauptsache. Er hat recht gehabt.“

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